Quellen

Ab der Mitte der 1920er Jahre erlebte die Magazinpresse ihren Aufschwung und ist bis heute nicht mehr aus der Kiosklandschaft wegzudenken: Als wöchentliches, zweiwöchentliches oder monatliches Periodikum im Buchformat, mit zwischen 100 und 200 gehefteten oder geklebten Seiten und einem meist farbigen Umschlag, diente das "Magazin" oder die "Revue" der Unterhaltung und Erbauung und präsentierte seinen Leserinnen und Lesern eine populäre Mischung aus gesellschaftlichen und kulturellen Beiträgen mit reichhaltigen Illustrationen. Dominantes Gestaltungselement dieses Zeitschriftentyps ist der massive Einsatz von Fotografie, der von technischen Innovationen (wie der Kleinbildkamera) und von neuen Formen der Bildkollektion und -distribution (Fotoreporter, Bildagenturen) profitierte. Der Fortschritt im Druckwesen – wie die Entwicklung der leistungsfähigen Rotationspresse und des Fotosatzes – ermöglichte überdies eine hohe Auflage bei geringen Stückkosten, was den Absatz der Magazine beförderte.

Zielgruppe der Magazine war der neue, urbane Mittelstand in Büro- und Dienstleistungsberufen, der hier einen Lesestoff erwarb, der aufgrund seines Formats und seiner Zergliederung in kurze Lektüreeinheiten wie geschaffen schien für den mobilen Lebensstil zwischen Tram, Vorortzug und Wochenendvergnügen in der Großstadt. Wie kein zweites Medium der Zeit spiegeln die Magazine die Alltagskultur der 1920er Jahre, gebrochen durch die Logik der journalistischen Arbeitsroutinen und Selektionsregeln, die bei ihrer Betrachtung stets mitzudenken sind. Durch ihre weite Verbreitung waren Magazine gleichzeitig in der Lage, als Verkörperung eines „iconic turn“ die visuellen Darstellungs- und Wahrnehmungsmuster einer ganzen Generation zu prägen, die dieses mediale Umbruchphänomen begeistert aufnahm. Für ihre breit angelegte Zielgruppe markierten sie, gemeinsam mit dem Stummfilm, den Übergang zu einer visuellen Unterhaltungskultur.