Über das Projekt

Die Illustrierten Magazine der Klassischen Moderne stellen eine außerordentlich gehaltvolle und  ästhetisch erstrangige Quelle zur Alltags-, Kultur-, Kommunikations-, Design- und Fotografiegeschichte der Zwischenkriegszeit dar. In wissenschaftlicher Kooperation mit dem Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Patrick Rössler (Universität Erfurt) und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Deutschen Nationalbibliothek sowie der Axel Springer AG als Rechtsnachfolgerin der älteren Ullstein-Presse werden durch die SLUB Dresden hier zunächst die zehn der wichtigsten deutschsprachigen Magazine der Ära – mit rund 650 Ausgaben, 75.000 Druckseiten und über 50.000 Abbildungen – erstmals virtuell zusammengeführt und für die Forschung, aber auch für kulturhistorisch interessierte Leser aufbereitet.

Das seit 2012 laufende Projekt hat zunächst die zentralen Zeitschriften wie „Uhu“, „Querschnitt“, „Das Leben“ und „Das Magazin“ zum Gegenstand, berücksichtigt daneben aber auch aufschlussreiche Nischentitel wie „Das Jüdische Magazin“, das „Auto-Magazin“ oder das „Kriminal-Magazin“. Unter den genannten Periodika repräsentierte der „Uhu“ aus dem Ullstein-Konzern wie kein anderes das Massenmagazin der Weimarer Republik: Keine andere Redaktion beschäftigte so glänzende Autoren und Fotografen, keine hatte so viele neuartige Einfälle, die drucktechnisch hoch professionell und nötigenfalls mit außergewöhnlichem Aufwand umgesetzt wurden. Chefredakteur des „Uhu“ war zunächst ein Kollektiv unter dem bezeichnenden Pseudonym „Peter Pfeffer“ – und später Friedrich Kroner, der als Adressenschreiber bei Ullstein begonnen hatte. „Der Querschnitt“ kam aus demselben Verlagshaus, war ebenso herausragend gestaltet , mit seinem langjährigen Chefredakteur Hermann von Wedderkop freilich intellektuell deutlich anspruchsvoller, elitärer und im Verkauf entsprechend auch 50% teurer als der „Uhu“. Das in einem kleinen Verlag in Berlin-Wilmersdorf 1929 hergestellte „Jüdische Magazin“ entsprach mit seiner Mischung aus Fotos, literarischen Texten, Sport-, Bücher- und Rätselecke zwar grundsätzlich dem medialen Typus, wirkt freilich ernster und gelehriger als etwa der „Uhu“. Als ein Ziel ist unverkennbar, den außergewöhnlichen Beitrag des jüdischen Volkes zum internationalen Kultur- und Geistesleben zu veranschaulichen. Eine Monatszeitschrift für eine Kernzielgruppe von unter 2% der Reichsbevölkerung (sowie eine wohl ebenfalls nicht sehr große Zahl dezidierter Philosemiten) zu vermarkten, war ein gewagtes Unternehmen. Während auf der hinteren Umschlagseite noch für ein Abonnement geworben wurde, blieb die vierte Ausgabe daher offenbar schon die letzte.